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     +++   01.02.2020 14. Spieltag - OKV Meisterliga 2019/20  +++     
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Wir in den Medien

31.07.2018  -- SZ Riesa -- © Eric Weser

Bye bye, alte Bahn

Im alten Keglerheim gehen bald die Lichter aus. Die Senioren haben jetzt Abschied genommen. Und das standesgemäß.

 

Wülknitz. Vorsicht Glas! Den aufgeklebten Hinweis kann die kleine Meise, die sich durch das offene Fenster in die schummrige Baracke verirrt hat, natürlich nicht lesen. Und so kracht der kleine Vogel mit Schwung gegen die durchsichtige Wand zwischen Zuschauerraum und Kegelhalle. Schrecksekunde.

Es ist Sonntag um die Mittagszeit. Die Sonne prasselt auf die Wülknitzer Kegelbahn gleich neben der ehemaligen Eisenbahnersiedlung. Selbst im Schatten sind mehr als 30 Grad. Temperaturen, bei denen viele jegliche Anstrengung vermeiden. Anders die 18 Kegel-Herren aus Torgau, Oschatz, Döbeln und Wülknitz, die unterm Licht von Neonröhren wetteifern. Vier können pro Runde spielen. Bei den ersten Würfen wirken alle noch frisch. Je mehr Würfe es werden, desto mehr rinnt der Schweiß. Von Wurf zu Wurf werden die Bewegungen behäbiger. Mancher greift nach jeder Kugel zum Handtuch. Bei der Hitze kein Wunder. Hinzu kommt: Keiner hier ist jünger als 50, die Ältesten gehen auf die 90.

Während die knapp drei Kilo schweren Kugeln auf den Bahnen scheppern und krachen, wird das Geschehen vom Zuschauerraum aus aufmerksam beobachtet. Wer nicht spielt oder als Unterstützer dabei ist, kommentiert. „Oh!“, raunt es, als wieder eine Kugel zwischen den Kegeln durchrauscht, ohne einen umzulegen. Aus dem Vorraum, wo frisches Pils für die durstigen Sportler gezapft wird, schallt Abba herüber. „Ring, ring“, ein Titel von 1973.

Die Tradition des Seniorenkegel-Turniers dürfte noch älter sein. Wann genau alles anfing, weiß von den heutigen Aktiven keiner genau zu sagen. Damals waren sie selbst noch jung und oft in anderen Sportarten unterwegs. Fest steht, dass das Ganze bei einer Eisenbahnermeisterschaft begründet wurde. Traditionell wird sich seither im Sommer getroffen, wenn die regulären Spielklassen Pause machen. Zwischen Mai und August stehen dann vier Seniorenturniere in Oschatz, Döbeln, Torgau und Wülknitz an. – In der heutigen Form gibt es den Ausscheid seit zwanzig Jahren. Aber nicht nur deshalb ist es in Wülknitz diesmal ein besonderer Wettkampf. Denn es ist auch der letzte – zumindest auf alten Bahn an der Straße Zum Umspannwerk. Seit einem halben Jahrhundert befindet sich dort die Heimstätte der Wülknitzer Kegler. Aus der ehemaligen Wohnbaracke, in der nach dem Krieg zugewiesen Familien aus Ungarn lebten, wurde in den 1960ern eine Kegelanlage.

Ehemalige Wohnbaracke

Anfangs mit zwei Bahnen, dann vier. Die Kegel mussten weiland noch per Hand aufgestellt werden. Mitte der 1970er dann die erste Automatik. Nach der Wende wurden die Kunststoffbahnen und eine neue Automatik installiert. Seit 2006 ist die Anlage im jetzigen Zustand. Sonderlich befriedigend war der in den letzten Jahren aber nicht mehr. Vor allem die Heizkosten für die Sportstätte wurden zur Belastung.

Deswegen freuen sich nicht nur die Seniorenkegler, sondern der gesamte ESV Lok Wülknitz auf die neue Kegelbahn. Die ist Teil des Sportlerheims, das seit dem Frühjahr am Wülknitzer Sportplatz entsteht. Das mehr als eine Million Euro teure Neubauprojekt – die größte Einzelinvestition der Gemeinde Wülknitz seit Jahren – steht kurz vorm Abschluss. Der Innenausbau läuft, Ende August soll alles fertig sein. Inklusive der neuen Kegelbahn. Anfang Oktober ist die Einweihung geplant.

Auch ein paar neugierige Altkegler der gegnerischen Mannschaften waren am Sonntag kurz auf der Baustelle. Mal gucken, wie die künftige Spielstätte aussieht. Schließlich soll die Seniorenturnier-Tradition nächstes Jahr dort weitergehen.

Das letzte Seniorenturnier auf der alten Heimbahn haben die in den letzten Jahren ohnehin dominanten Wülknitzer Ü-50-Kegler wieder haushoch gewonnen. Mit 1 712 Holz, vor dem SV Fortschritt Oschatz (1 490), dem SSV 1952 Torgau (1 461) und dem ESV Lok Döbeln (1 397). Ein standesgemäßer Abschied, der der ersten und zweiten Mannschaft des Vereins so nicht vergönnt war. Beide sind in der vergangenen Saison aus ihren Spielklassen abgestiegen. Aber vielleicht bringt ja die neue Bahn die neue Bahn den sportlichen Erfolg zurück.

Die kleine Meise, die sich auf ihrem Flug durch die Hitze am Sonntag ins alte Keglerheim verirrt hatte, fand übrigens nach der Schrecksekunde gleich wieder den Weg nach draußen. Wie sie werden auch die Kegler bald endgültig aus der Baracke ausgeflogen sein. Bye, bye, alte Bahn! "

 

Quelle: https://www.saechsische.de/bye-bye-alte-bahn-3985400.html